Landwirtschaftsforum mit brandaktuellen Themen

Die Gastgeber und ihre Referenten

Experten der Landwirtschaftskammer und der VR-Agrarberatung gaben Tipps und wagten Blick in die Zukunft

Fürstenau. Die Risiken der Agrarmärkte, der Nährstoffanfall und deren Verbringung sowie die aktuell technische Entwicklung hierzu wurden den Landwirten der Region vorgestellt. Auf Einladung der Volksbank Osnabrücker Nordland und der VR-Bank im Altkreis Bersenbrück referierten Johann Kalverkamp, Vorstand der VR Agrar-Beratung, Franz Jansen-Minßen und Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky, beide Fachbereichsleiter der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

 

Herbert Niemann, Vorstandsmitglied der Volksbank, begrüßte die Anwesenden auch im Namen seiner Kollegen von der VR-Bank. Er zeigte sich überrascht von der sehr positiven Resonanz der Veranstaltung und versprach, diese in Zukunft zu wiederholen.

Johann Kalverkamp stieg in die Expertenrunde ein und gab den anwesenden Landwirten einen Überblick über die Agrarmärkte. Dabei betrachtete er Preisentwicklungen bei Mastschweinen, Ferkeln, Kühen, Milch sowie Weizen, Mais und Sojabohnen. Für diese Bereiche konnte er Preiszyklen feststellen, die es zu beachten gäbe. Er empfahl wegen der auftreten Preiszyklen, Ein- und Verkaufspreise abzusichern. „Wer an einer Warenterminbörse Preise absichern will, muss die Kalkulation beherrschen“, gab Kalverkamp zu bedenken. Zwischen „Angst- und Gierphasen“ unterschied er und leitete die Folgen aus den typischen Handlungsweisen der Landwirte ab. Am Beispiel Milch machte er deutlich, dass in der Gierphase der Hang zur Überproduktion entsteht und dadurch der Preis aufgrund der üblichen Marktreaktionen verfallen muss. Auch zeigte er die Auswirkungen sowohl der Märkte als auch der betrieblichen Leistungen auf die Liquidität der landwirtschaftlichen Betriebe. Er erinnerte daran, dass nach einem erfolgreichen Geschäftsjahr natürlich mit höheren Steuerforderungen gerechnet werden müsse. Davon sei nicht nur das abgelaufene Geschäftsjahr betroffen, sondern es würden auch die Steuervorauszahlungen für das laufende Geschäftsjahr erhöht. Das müsse der Landwirt bei seiner Liquiditätsplanung berücksichtigen. Kalverkamp stellte den Teilnehmern Risikomanagementsysteme vor, die bei der betriebswirtschaftlichen Bewertung unterstützen und bei der Ermittlung der Stärken und Schwächen helfen. Instrumente der Liquiditätsplanung und Leistungsüberwachung, aber auch der Faktor Mensch und Familie, kamen in seinem Vortrag nicht zu kurz.

Franz Jansen-Minßen erklärte zu Beginn seines Vortrages seine Sichtweise zur aktuellen Entwicklung. Er betonte, dass sich die Landwirtschaft trotz unpopulärer Berichterstattung nicht verstecken bräuchte. Wenn es eine Branche gäbe, die ökologisch und zukunftsorientiert sei, dann doch wohl die Landwirtschaft. Es sei ihr ureigenes Interesse, umweltgerecht zu agieren, denn sie lebten mit und von der Natur, auch wenn es in der Wahrnehmung der Menschen zurzeit anders wirkt. Die Landwirtschaftskammer betreibe erhebliche Lobbyarbeit, um die politischen Anforderungen und die praktische Umsetzung zu harmonisieren. Dabei sei man auf einem guten Weg. Anhand eines Zeitstrahls zeigte Jansen-Minßen die Entwicklung der Agrarpolitik. Zukünftig spielen dabei erhöhter Grundwasserschutz, aber auch Naturschutz, eine große Rolle. So solle zukünftig der Artenreichtum heimischer Tierarten berücksichtigt werden. Um einen Überblick über die Nährstoffströme und deren Kontrolle zu behalten, gäbe es ein Düngekataster. Jansen-Minßen sehe noch Forschungs- und Entwicklungsbedarf beim Nährstoffmanagement. Er machte deutlich, dass in dem Viehzuchtgebiet Weser-Ems das Nährstoffaufkommen nicht verarbeitet werden kann. Man könne durch nährstoffreduziertes Futter teilweise Abhilfe schaffen, aber es bliebe eine Herausforderung, den Nährstoffüberschuss in Regionen zu verbringen, die hauptsächlich Ackerbau betreiben.

Diesen Gedanken hat Dr. Hans-Heinrich Kowalewsky aufgenommen. Er zeigte die technischen Entwicklungen für den Transport der Nährstoffe. Interessant ist der Gedanke nur, wenn die Landwirte in den Ackerbauregionen einen Vorteil vom Erwerb der Nährstoffe haben. Diese nutzten meist Mineraldünger. Um die Nährstoffe der Viehhalter einzusetzen, müsse der Preis stimmen. Es gelte also zu beachten, dass der Transport der Nährstoffe nicht zu teuer wird. Daher gehe es zunächst einmal um die Trennung von nährstoffreicher Gülle, wie zum Beispiel Güllefeststoffe und der zum größten Teil aus Wasser bestehenden dünnen Gülle. Nur die nährstoffreiche Gülle solle transportiert werden. Das könne teilweise mit geringem Aufwand erfolgen, wenn an vorhandenen Speichern zwei unterschiedliche Absaughöhen installiert würden. Insgesamt zeigte Kowalewsky mehrere Techniken über unterschiedliche Lagerarten bis hin zu Separatoren auf, wie die Trennung sinnvoll erfolgen kann. Auch ist zu berücksichtigen, dass der Transport günstiger sei, wenn der Lkw auf dem Rückweg nicht leer gefahren würde. Der Weg vom Entladen bis zum Beladen anderer Güter für den Rückweg dürfe nicht zu weit auseinander liegen. Es seien inzwischen Kombi-Liner im Einsatz, die sowohl Gülle als auch Getreide parallel transportieren könnten. Kowalewsky war zuversichtlich, dass es technisch heute schon lösbar sei, einen sinnvollen Kreislauf zwischen Pflanze, Tier und Nährstoff sicher zustellen.